In die Gotteshäuser des Nachbarkreises geschaut Historischer Verein besuchte sechs Kirchen, die einst zur Grafschaft Ruppin gehörten | |||||||
NEURUPPIN Wenn der Historiker Dr. Peter Schmidt eine Exkursion leitet, kann man sich auf seine Sachkenntnis, gepaart mit einem humorvollen Augenzwinkern, verlassen. Besonders, wenn es sich um sein Steckenpferd, die Dorfkirchen, handelt. Die Mitglieder des Historischen Vereins der Grafschaft Ruppin wissen das. Am 29. September verließen sie mit ihm den Kreis Ostprignitz-Ruppin und schauten sich im Nachbarkreis Oberhavel Kirchen an, die einst zum Ruppiner Land gehörten. Der Reisebus steuerte Kraatz, Buberow, Meseberg, Großmutz, Löwenberg und Herzberg an. Peter Schmidt hatte sechs Kirchen ausgewählt, die sich zwar im Baustil unterschieden, aber in ihrer Baugeschichte viele Parallelen aufweisen. Das betrifft sowohl das Baumaterial als auch die Finanzierung und die damaligen Genehmigungsverfahren. Meist im Mittelalter aus Feldsteinquadern errichtet, wurden die Kirchen im Laufe der Jahrhunderte erneuert, verändert, im Innern neu gestaltet und nach Bränden wieder aufgebaut. Dächer und Türme bekamen dabei mehrfach ein neues Gesicht. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ besonders tiefe Spuren. Es waren die Bauern der Dörfer, die durch den Verkauf von Getreide den Bau der Kirchen finanzierten und die Häuser unterhielten. Je nach Stand und Ansehen im Dorf wurden ihnen in der Kirche vordere oder hintere Plätze zugewiesen. Ein oft strittiger Anlass, der immer wieder zu Veränderungen in der Kirchenbestuhlung führte. "Auch früher drehte sich alles ums Geld", erzählte Vereinsmitglied Günter Radies. "Bekommt die Kirche einen Turm oder bekommt sie keinen? Immer ging es um die Frage: Was kostet es?" Radies fand besonders die Löwenberger Kirche interessant, die allerdings nie zur Grafschaft Ruppin gehörte. "Die Kirche ist so oft umgebaut und verändert worden - da steckt unheimlich viel Geschichte drin." In den meisten Kirchen liefen am Exkursionstag die Vorbereitungen für das Erntedankfest. Die Altäre waren mit Blumen und Früchten für den Gottesdienst geschmückt. Wer wird sich aber um die Kirchen kümmern, wenn die Gottesdienste weiter abnehmen und die Mitglieder immer weniger werden? Diese Frage nahmen die 35 Exkursionsteilnehmer mit nach Hause. uba 09.10.2007, Märkische Allgemeine | |||||||
![]() | Bildunterschrift: Peter Schmidt (4. v.l.) hatte für jede der sechs Dorfkirchen spannende Geschichten parat. Die Mitglieder des Historischen Vereins unter Leitung von Uta Land (4. v.r.) waren ein interessiertes Publikum mit vielen Fragen zu den wertvollen Baudenkmälern. Foto: Verein | ||||||