"Ein Mann über dem Durchschnitt seines wichtigen Amtes"
HEIMATGESCHICHTE Am Donnerstag jährt sich zum 75. Mal der Todestag von Wilhelm Bartelt, dem Heimatforscher und Rektor der Knabenmittelschule
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NEURUPPIN  "Ein Mann über dem Durchschnitt seines wichtigen Amtes" sei er gewesen. Die Rede ist von Wilhelm Bartelt, der im März 1920 nach 45Jahren Schuldienst, davon 25 Jahre als Rektor der Knabenmittelschule, aus dem Dienst verabschiedet wurde. Bartelt hing mit seiner ganzen Seele an seiner Wahlheimat Neuruppin. Er zeigte das durch seine Forschungen auf dem Gebiet der Heimatkunde. Am 9. Juli jährt sich sein Todestag zum 75. Mal.

Laut Stundentafel unterrichtete er an seiner Schule Mathematik und Geometrie, hatte aber in fünf Fächern die Mittelschullehrerprüfung abgelegt. Nach Auskunft seines Amtsnachfolgers handelte er nach dem Grundsatz: Jeder Lehrer ein Heimatforscher! Folgerichtig übernahm er von 1925 bis 1929 die Schriftleitung des Kreiskalenders. Der erste ehrenamtliche Stadtarchivar der Weimarer Republik hieß Wilhelm Bartelt. Zweimal wurde er zum Stadtverordneten gewählt.

Bartelt war verheiratet und wohnte in der Zietenstraße 4 (heute Karl-Liebknecht-Straße). Beide Söhne fielen im Ersten Weltkrieg. Bartelt wurde nahezu 80 Jahre alt und starb im Sommer 1934.

Geboren wurde Wilhelm Bartelt 1855 in Zarngraff bei Cammin in Pommern. Mit 20 Jahren ging er in den Schuldienst, er muss also seine Ausbildungszeit zügig hinter sich gebracht haben. Die seit 1872 geforderte Rektorenprüfung legte er bereits während seiner Lehrertätigkeit ab. Als Bürgermeister Trenckmann ihn 1894 nach Neuruppin holt, ist er bereits ein gestandner Pädagoge.

In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts gab es etwa 1300 Schulkinder in Neuruppin. 85 konnten das Gymnasium besuchen, der "Rest" wurde auf eine öffentliche und 20 Privatschulen verteilt.

Der Tuchmacher im Ruhestand Johann Siebmann wollte da Abhilfe verschaffen. Er verfügte, dass nach seinem Tode sein Haus und Grundstück am Schulplatz in eine Lehranstalt umfunktioniert werden sollen. Als er 1828 starb, baute man sechs Klassenzimmer für je 70 bis 80 Schüler in das Wohngebäude. Es entstand eine Bürger- und eine Elementarschule. Die Klassen der Armenschule und der Fabrikschule mussten zunächst anderenorts unterrichtet werden. Später wurde das Gebäude aufgestockt. So entstand die Knabendoppelschule, die 1898 in die Parkstraße umzog.

Als Bartelt sein Amt antrat, war sie die meistbesuchte Schule der Stadt. Aber schon die Zahl von 350 Schülern lässt deutlich werden, wie eng es in. dem Haus am Schulplatz war. Bartelts Nachfolger nennt dessen Rektorat die fruchtbarste Zeit der Knabenmittelschule. Bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges gab es in jedem Jahr Neuerungen. Der neue Rektor sorgte für eine neunte Lehrerstelle und führte das neunte Schuljahr an der Mittelschule ein, was den Schülern den prüfungslosen Übergang an die Realschule in Rathenow ermöglichte. Seit 1901 wurde Englisch als zweite Fremdsprache erteilt. Bartelt gründete eine Schulbibliothek, setzte den Schwimmunterricht auf den Sportlehrplan und bot Stenographie als Wahlfach an. Seine Lehrer ermunterte er, in die Umgebung zu wandern, dort Beobachtungen anstellen zu lassen, aber auch mit den Schülern ins Gespräch zu kommen, um sie besser kennen zu lernen. Es gab eine äußerst strenge Schulordnung, akribische Korrekturvorschriften, Grundsätze für Schülerpensionen und deren Besichtigung, ehe die Bürger vermieten konnten. Alle zwei bis drei Jahre legte Rektor Bartelt penible Rechenschaft über das in der Schule Erreichte ab. Er teilte Kurzbiographien neuer Lehrer mit, aber auch, welcher Pädagoge wann und warum dem Unterricht fern blieb und wie oft es hitzefrei gab.

Sein Nachfolger schätzt ein, er habe eine Zähigkeit besessen, die manchmal die Biegsamkeit des Stahls habe vermissen lassen. Der älteste Bürger Neuruppins, Paul Veit mit seinen106 Jahren, war Mittelschüler unter Bartelt und erinnert sich an seinen Rektor als einen strengen Lehrer. Vorbehaltlos freute sich dieser über das neue Schulhaus. In seiner Festrede lobte er den gewaltigen Fortschritt, den das neue Haus darstelle. 1910 machte er die Eltern mit einer Neuregelung des Mittelschulwesens vertraut. Die Abschlussprüfung gelte nun als Einjährigenexamen (verkürzte Wehrpflicht), ermögliche den Zugang zu Maschinenbauschulen und zur Beamtenausbildung. Elternversammlungen führte der Mittelschulrektor erstmals in Neuruppin ein. Auf ihnen gestalteten auch die Schüler ein Programm, und Bartelt hielt Vorträge über erzieherische Fragen. Er half aber auch der Volkshochschule auf die Beine und setzte die Einrichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule durch.

Bei seiner Verabschiedung 1920 riefen ehemalige Schüler die Rektor-Bartelt-Stiftung ins Leben, die Bartelt um 3000 Reichsmark aufstockte. Sie wurde für Buchprämien und Freistellen verwendet.

Sein Pensionsleben widmete Wilhelm Bartelt neben den Ehrenämtern vor allem Veröffentlichungen zur Heimatgeschichte, die er zumeist im Eigenverlag des Historischen Vereins der Grafschaft Ruppin heraus brachte. Ob er dessen ordentliches Mitglied war, ist nicht bekannt, 1938 wird er jedoch in einem Vorwort zu einer Nachauflage als Ehrenmitglied genannt.

Bartelts Schriften zeichnen sich durch Genauigkeit nach eingehender Recherche aus. In "Der Ruppiner Klappgraben" vermittelt der Autor anschaulich, warum es sich bei diesem Gewässer um einen Kanal und eine Regionalgrenze handelt. "Tore, Straßen, Plätze und Befestigung Neuruppins" ist ein Stadtführer, der Straßennamen und ihre Bedeutung erklärt, gleich die Gebäude dort benennt und sie mit ihren Bewohnern belebt. In seinem ´letzten Werk '"Die schöne Sabine in Sage, Dichtung und Geschichte" wollte er eine "heimatgeschichtliche Frage von hohem Interesse geschichtlich aufklären". Schmunzelnd urteilt er über die reichhaltige Literatur und lässt im Grunde nur Fontane gelten. Er arbeitete als Forscher genau so beharrlich wie in seiner Schule.

info Aus Anlass seines 75. Todestages werden der Historische Verein und die Alexander-Puschkin-Schule an Bartelts ehemaliger Wirkungsstätte eine Gedenktafel enthüllen. Für die Tafel haben Neuruppiner 350 Euro gespendet. Sie wird am 9. Juli um 11 Uhr mit einer kleinen Feier enthüllt.

04.07.2009, Märkische Allgemeine, von Uta Land
Tafel für W. Bartelt
Neuruppin: Enthüllung am 9. Juli

Neuruppin (WS).  Eine Gedenktafel für den Neuruppiner Lehrer und Heimatforscher Wilhelm Bartelt wird am Donnerstag, dem 9. Juli, enthüllt.

Das Vorhaben des Historischen Vereins, Wilhelm Bartelt an der Stätte seines Wirkens sichtbar zu ehren, kann nun Realität werden. Der Historische Verein der Grafschaft Ruppin lädt in Zusammenarbeit mit der Alexander-Puschkin-Schule alle Bürger Neuruppins zur Enthüllung einer Gedenktafel am Gebäude der Schule ein. Sie findet an seinem 75. Todestag am 9. Juli, 11 Uhr, statt.
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Der zu Ehrende war 40 Jahre Lehrer, davon 25 Jahre Rektor der Knabenmittelschule. Diese Bildungsanstalt hatte über die Grenzen der Stadt einen guten Ruf, denn ihr Leiter sorgte nicht nur für eine solide Ausbildung, sondern, ebnete seinen Schülern den weiteren Bildungsweg z. B. durch die Einführung eines neunten Schuljahres, den Unterricht in Englisch, das wahlweise Angebot von Stenographiekursen. Er gründete eine Schulbibliothek und führte erstmals in Neuruppin Elternversammlungen durch. Intensiv erforschte er Natur und Geschichte der Region und gab sein Wissen nicht nur an seine Schüler weiter, sondern hielt Vorträge und gab Schriften heraus. Der Lehrer liebte seinen Beruf und war seinen Schülern wohlgesonnen. Er trat bewusst als preußischer Beamter auf und konnte deshalb bei Regierungsstellen auch etwas durchsetzen. Neuerungen verschloss er sich nicht, und als notwendig erkannte Veränderungen vermochte er herbeizuführen.

Zuverlässig und mit Liebe zum Detail widmete er sich seinen Forschungen. Als Privatperson übte Bartelt große Zurückhaltung. Stadt und Schulwesen verdanken ihm viel.

Der Historische Verein möchte an dieser Stelle noch einmal allen Bürgern danken, die durch ihre Spenden die Gedenktafel für Wilhelm Bartelt mit finanzierten.

Bildunterschrift: In der Mitte: Lehrer und Heimatforscher Wilhelm Bartelt.
Foto: Archiv

08.07.2009, Wochenspiegel
Furchtbar streng gewesen als Mathelehrer
Gedenktafel für Neuruppiner Schulreformator Wilhelm Bartelt enthüllt

NEURUPPIN Paul Veit, der mit 106 Jahren älteste Neuruppiner, kann sich noch an Wilhelm Bartelt erinnern. "Furchtbar streng" soll er als Mathelehrer gewesen sein - zu seinen Schülern, aber auch zu sich selbst.

So jedenfalls berichtet es Uta Land, die Vorsitzende des Historischen Vereins für die Grafschaft Ruppin. Gemeinsam mit weiteren Vereinsmitgliedern und Geschichtsinteressierten hatte Land kürzlich den Weg zur Neuruppiner Puschkinschule, der einstigen Knabenmittelschule, gefunden, um im Beisein zahlreicher Schüler den früheren Rektor Bartelt zu ehren.

Schließlich gilt er bis heute als wichtiger Reformator des Neuruppiner Bildungswesens. Wie vielfältig der Einfluss des gebürtigen Stettiners war, hatte Uta Land im Januar bei einem Vortrag in der Puschkinschule dargelegt. Grundlage waren Recherchen der Schüler, die sich in einem Projekt mit dem Kämpfer für den Volksschulgedanken befasst hatten.

Kürzlich konnte eine Gedenktafel für Bartelt enthüllt werden. Diese Aufgabe übernahm neben Schulleiter Siegfried Weichert (im Foto rechts) auch Bürgermeister Jens-Peter Golde (links). Der drückte von 1961 bis 1971 selbst die Puschkin-Schulbank.

Bildunterschrift: Die Gedenktafel für Wilhelm Barteit wurde enthüllt (Foto: Stehr)

18.07.2009, Märker, Dietmar Stehr
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