Historischer Verein der Grafschaft Ruppin wieder ins Leben gerufen

Seit gut drei Monaten gibt es ihn wieder, den "Historischen Verein der Grafschaft Ruppin": Am Montag, dem 18. Juni 1990, trafen sich im ehemaligen Gymnasium - genauer: im Veranstaltungsraum der Stadt- und Kreisbibliothek - 16 Bürgerinnen und Bürger der Stadt und des Kreises Neuruppin und gründeten ihn neu. Schon von 1855 an hatte mehrere Jahre lang ein Geschichts- und Altertumsverein im Kreis Ruppin existiert, der vom Geheimen Regierungsrat Ferdinand von Quast aus Radensleben gemeinsam mit dem Superintendenten Kirchner aus Gransee und dem Rechnungsrat Buss aus Neuruppin geleitet wurde. Doch bald nach 1858 "scheint er eingegangen zu sein. Dem Sohne Ferdinands von Quast, dem Landrate des Kreises Ruppin Siegfried v. Quast, gebührt das Verdienst, im Jahre 1881 einen neuen Verein ins Leben gerufen zu haben, der unter dem Namen 'Historischer Verein für die Grafschaft Ruppin' nunmehr auf eine zehnjährige Tätigkeit zurückblicken kann." So lesen wir im "Bericht über die zehnjährige Thätigkeit des Vereins, erstattet vom Vorstande in der Sitzung vom 23. Oktober 1891". Aber bereits ein Jahr zuvor waren auf Beschluss der Haupt-Versammlung vom 29. Oktober 1890 im November 1890 bei Oehmigke und Riemschneider in einem "neuen Abdruck" die "Satzungen des Historischen Vereins der Grafschaft Ruppin" publiziert worden.

In dem Bericht vom 23. Oktober 1891 ist zwar von einer "Revision der Statuten" die Rede, die beim "notwendigen Neudruck... in Satzungen umzuwandeln" und aus denen "auch alle sonstigen entbehrlichen Fremdwörter zu entfernen" seien - so zum Beispiel der "Kassierer", von nun an "Schatzmeister", aber von einer beschlossenen Änderung des Vereinsnamens von der präpositionalen Fügung "für die Grafschaft" zum Genitiv "der Grafschaft" fällt in ihm kein Wort. Hier ist dem damaligen Vorstand offensichtlich ein Lapsus unterlaufen, dem wir aber keine, Bedeutung beizumessen brauchen.

Auf alle Fälle wird 1991 das 110. Jahr der Gründung des Vereins zu würdigen sein, dessen Name gewählt wurde "im Selbstverständnis der unmittelbaren Nachfolge des 1881 gegründeten gleichnamigen Vereins", wie es im Paragraphen 1 der Satzung des im August 1990 in das Vereinsregister eingetragenen "Historischen Vereins der Grafschaft Ruppin e.V." heißt. Es soll also ganz bewusst eine Tradition fortgesetzt werden, die vor etwa einem halben Jahrhundert unterbrochen wurde, und wie ließe sich dieses Vorhaben besser verdeutlichen als durch einen Vergleich der Satzungen von 1890 mit der Satzung von 1990, deren Paragraphen l bzw. 2 beide die Überschrift "Zweck des Vereins" haben.

In Ziffer (2) der 1990er "Satzung" - ein Jahrhundert geht selbst an Statuten - pardon! Satzungen - nicht spurlos vorüber! - wird festgehalten, dass der Verein "historische Traditionen und Überlieferungen des Kreises Ruppin bzw. des Kreises Neuruppin" erschließt und vermittelt, "um dafür Verständnis und Verantwortungsbewusstsein in der Bevölkerung zu entwickeln". Es geht also um die "Grafschaft, den Kreis Ruppin bzw. Neuruppin, zu der bzw. dem selbstverständlich auch die Kreisstadt gehört; im Mittelpunkt steht jedoch nicht nur und ausschließlich die Stadtgeschichte, mit der sich Bürger Neuruppins auch schon in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt haben.
Horst Erdmann
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