Historischer Verein lud zum ersten Museumsfest der Stadt

Neuruppin. "Heute Eintritt frei", versprach ein kleines Schild am Sonnabend an der Eingangstür des Neuruppiner Heimatmuseums. Still wie sonst, wenn leise Gespräche der Besucher oder knarrende Holzdielen die Zimmer erfüllen, sollte es am Sonnabend nicht sein. Die mittelalterlichen Musikklänge auf dem Hof ließen schon vermuten, heute erlebt das Museum keinen gewöhnlichen Tag, heute wird hier ein Fest gefeiert. Dazu wurde der Hof hinter dem Museum mit einer kleinen Bühne und einigen Marktständen zum Festplatz umgestaltet. "Ich habe den Hof hier noch nie so schön gesehen", zeigte sich Studienrat Horst Erdmann überrascht. Als Vorsitzender des Historischen Vereins der Grafschaft Ruppin gab er den Startschuss zum ersten Museumsfest der Stadt Neuruppin.

Die Idee dazu wurde während einer Fahrt der Vereinsmitglieder nach Sinsheim geboren. Von dort wollte Friedrich der Große als 15jähriger nach England fliehen, was ihm nicht glückte. Über den Alten Fritz haben die Neuruppiner und der Sinsheimer Verein "Freunde des Lerchennestes" ein zartes Freundschaftsband geknüpft. Die Sinsheimer sind kooperatives Mitglied im Historischen Verein. Sie feiern jedes Jahr ein Museumsfest.

"Mit der Veranstaltung wollen wir im Museum etwas bewegen, aber auch Dinge anbieten, die nicht unmittelbar mit dem Ort zu tun haben" erklärte Horst Erdmann. Die Sehenswürdigkeiten sollen den Besuchern auf eine Art nähergebracht werden. Diese Absicht kommt nicht von weit her, denn schließlich will der Neuruppiner Verein mit seiner Arbeit ja das Museum fördern.

Geschäftiges Treiben erfüllte so nun den sonst so ruhigen Hof hinter dem Museum. Mit Bordun-Klängen, auf Dudelsack, Gitarre und Geige zum Besten gegeben, erfüllte ein Hauch von Mittelalter die Luft um die Besucher. Den ganzen Tag hatten diese ausreichend Gelegenheit, die aufgebauten Marktstände zu durchstöbern und zwischen Bilderbogennachdrucken und Fontanebüchern fündig zu werden. Auf der Showbühne im Hof bewirtete die Jugendkunstschule die Festgäste mit einem musikalischen Programm aus Gesang und historischen Tänzen. Die Blandikower Feldlerchen trällerten bekannte Lieder aus voller Kehle.

Traditionsreiche Handwerkskunst gab es auf dem Hof zu bestaunen. Ein Korbmacher ließ sich beim Flechten der biegsamen Weidenruten auf die Finger sehen. Auch ein afrikanischer Holzschnitzer zog viele interessierte Blicke auf sich. Gekonnt ging er mit Hammer und Meißel um und schnitzte aus einem klobigen Holzklotz behände einen runden ansehnlichen Frauenbusen.

Im Museum gab es auch viel zu erleben. Wenn die Besucher jetzt kleine Reiter, Kanonen oder Pferde aus Zinn sehen, wissen sie, wie es gemacht wird. Neben einer Zinnausstellung demonstrierten die Künstler Herstellung und Bemalung der kleinen Figuren. Auch die Rheinsberger Keramik war vertreten. Am Nachmittag labten sich die Besucher am Büffet mit selbstgebackenem Kaffee und Kuchen, während Onkel Fritz aus Neuruppin kräftig an der Kurbel seines Leierkastens drehte. Die Mannen des Alt Ruppiner Möhring-Chores besangen das Ende des ersten Neuruppiner Museumsfestes.

"Es sind viele Leute gekommen, die wohl sonst nicht hierher kommen würden", freute sich Horst Erdmann. "Sie waren sehr interessiert und haben gestaunt, was man aus einem Museum alles machen kann."
Janin Rottstock
Bildname

1. NEURUPPINER MUSEUMSFEST
14.6.1997 ab 10.00 Uhr

Uhr, Ort, Programmpunkt
-------------------------------------------------
10.00, Hof, Eröffnung durch den Vorstand des Historischen Vereins der Grafschaft Ruppin e.V. als Veranstalter
10.30, Hof, Mittelalterliche Bordunmusik -
Strelitzer Stadtpfeifer - Gruppe Trespann
12.00, Museum, Vorstellung der neuesten Funde vom Schulplatz Neuruppin
durch Herrn Walzer (Grabungsleiter) und Frau Hahn-Weishaupt
12.30, Hof, Musikalisches Programm der Jugendkunstschule
13.00, Museum, Präsentation einer Zinnfigurenausstellung mit Demonstration der Herstellung und Bemalung der Figuren
Buchvorstellung "Neuruppin - Geschichte einer Garnison"
durch Autor und Verleger Regional-Verlag Ruppin
13.30, Hof, Musikalische Grüße aus der Prignitz
Blandikower Feldlerchen
14.30, Museum, Rheinsberger Keramik - zur Geschichte der Keramikherstellung in Rheinsberg - Vorstellung und Verkauf des Angebotes der Rheinsberger Keramik-Manufaktur
15.00, Hof, Uraufführung historischer Tänze bis zum 19. Jahrhundert
Tanzgruppe der Jugendkunstschule
16.00, Hof, Der Leierkastenmann spielt zum Kaffee
Onkel Fritz aus Neuruppin lädt ein zum Kaffee und Kuchen und im Anschluß daran zu einem Kinderprogramm
17.30, Hof, Abschlußkonzert des Möhring-Chores Alt Ruppin

Von Anfang bis Ende werden als Rahmenprogramm auf dem Hof angeboten:
  • Getränke- und Imbißstand der Gastronomie Krsynowski
  • Marktstände des Vereins Lebensart e.V. Babe und des Heimatvereins Karwe e.V.
  • Museumsstand mit Bilderbogen-Nachdrucken
  • Bücherkarren der Fontane-Buchhandlung

    Ab Mittag:
    Bastelstraße der Jugendkunstschule mit Vorstellung Holzschnitzerei von Samuel Nsimba

    Im Museum präsentiert das Teehaus Graupe Rheinsberg "Alles dreht sich um den Tee"
Bildname
Presse1Chronik1