Einst wurde hier die Jugend für den Krieg ausgebildet, jetzt für den Beruf
Historischer Verein der Grafschaft Ruppin sah sich die alten und umgebauten Panzerkasernen an und vertieft sein Wissen im November

NEURUPPIN  Ohne Unterschrift kam keiner rein, selbst nicht der Historische Verein der Grafschaft Ruppin.  Am Donnerstag stiegen seine Mitglieder in ein altes Gebäude der ehemaligen Panzerkaserne an der Alt.Ruppiner Allee ein. Ganz legal und unter Führung von Bernd Aßmann von der Gesellschaft für Konversion. Zunächst mussten sie dem Land Brandenburg schriftlich versichern, dass es nicht hafte, sollte im Innern der Kaserne etwas passieren. So abwegig sei das gar nicht, erklärte Aßmann. Beim Entkernen der Gebäude fand man tatsächlich Panzergranaten.
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Doch der Verein trotzte der Gefahr und nahm in Augenschein, was es zu nehmen gab. "Die Häuser im Urzustand existieren nicht mehr", so Aßmann. "Die Dächer wurden instand gesetzt und alles entkernt." Damit verschwanden alle Materialien, in denen sich im Laufe der Jahre Schwamm breit machen könnte. Viele Investoren habe er kennen gelernt, die dachten, sie bekämen die Kaserne geschenkt, so Aßmann. Doch wenn es ans Geld ging, waren sie wieder weg.

Der Kreis jedoch blieb. Er bekam 1994 eine 90-prozentige Förderung für das 43 Millionen Mark schwere Projekt, drei alte Kasernen in ein Oberstufenzentrum umzuwandeln und eine neue Sporthalle zu errichten.  Bärbel Pelzer, langjährige Leiterin des Oberstufenzentrums, erinnerte an die Anfänge: "Bis zur Wende gab es fünf Berufsschulen in der Stadt, zwei kommunale und drei Betriebsberufsschulen. Und immer waren sie das fünfte Rad am Wagen. Entsprechend sahen sie auch aus."

Mit Fertigstellung der einzelnen Gebäude zogen die verschiedenen Fachbereiche in das Oberstufenzentrum ein.  Die Letzten werden die Bauleute aus Gildenhall sein. Für sie wird nun auch das vierte Haus im Eingangsbereich des Kasernen-Ensembles umgebaut. Eine Haushälfte wird der Kreis für die Volkshochschule, die Medienstelle und für Schulungen nutzen.

3400 Schüler lernen im Oberstufenzentrum Berufe in Wirtschaft und Verwaltung, Elektro- und Metalltechnik, im Baugewerbe, in Ernährungs- und Hauswirtschaft und im sozialen Bereich. Viele machen hier auch ihr Abitur.

Bildunterschriften: Bis auf die Knie ging es, um die Inschrift am Friedensdenkmal auf dem Gelände des Oberstufenzentrums  zu entschlüsseln.
In der Lehrküche werden Köche ausgebildet, im Fleischerraum daneben die zukünftigen Metzger. (Fotos: Uta Bartsch)

25.10.2005, Märkische Allgemeine, Uta Bartsch
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