Schwerin - Altes Handwerk und herzögliche Pracht Ein Besuch der mecklenburgischen Hauptstadt am Sonnabend, 21. Mai 2005 | |||||||
Als der Reisebus Neuruppin verließ, bangten alle mit der Vorsitzenden Uta Land, dem Organisator Klaus-Jürgen Kühn und dem Fahrer um das Wetter. Eine Regenfront war angekündigt, und der Himmel zog sich zu. Doch die Beziehungen zu "Petrus" waren so gut, dass erst bei der Rückkehr in Neuruppin ein heftiger Gewitterschauer niederprasselte. | |||||||
Die Hauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns empfing die Neuruppiner mit freundlichem Wetter und in frühlingshafter Stimmung. So konnte das herzogliche Schloss auf seiner Insel in Ruhe umrundet werden. Hierzu genügt zwar eine Viertelstunde. Jedoch laden die herrlich geometrisch barock angelegten Blumenbeete mit den Frühlingsblüten länger zu verweilen ein. | ![]() | ||||||
So von Park, Grotte und Orangerie eingestimmt gingen alle in das Schloss. Dieses großartige Bauwerk zeigt sich außen nur teilweise, etliche Giebel und Türmchen scheinen von Christo verhüllt worden zu sein. Auch der legendäre Obotritenfürst Niklot, der hoch oben über dem Portal reitet, hält sich in einem Zelt verborgen. In der wartenden Menge mehrer Gruppen machte sich eine laute Stimme bemerkbar. Sie gehört einer kleinen Person, dem "Petermännchen", 1 wie am Hut zu lesen steht. Der Schlossführer Herr Holzmüller erklärte, wie es zu diesem "Schlossgeist" gekommen ist: Als 1160 der Sachsenherzog Heinrich der Löwe den Slawenfürst Niklot besiegt (und getötet, seinen abgeschlagenen Kopf noch monatelang als Beweisstück mit sich geführt) hatte, musste er sich um dessen drei Söhne kümmern. Den ältesten machte er zu seinem Statthalter von "Zuarin", den zweiten hing er auf, und der Dritte wurde zur Sagengestalt. Dieser dritte, das "Petermännchen", soll einen Riesen erschlagen haben und in den Schlosskellern hausen. Erst dann, wenn er von einem Mädchen geküsst wird, das nicht neugierig und nicht schwatzhaft ist, wird er erlöst. | |||||||
![]() | So eingestimmt wendelten wir uns die weite rote Marmortreppe hinauf in die Beletage. Dieses zweite Obergeschoss enthält die Wohn- und Gesellschaftsräume der Großherzogin. Ein großer Kamin im Renaissance-Stil fiel uns auf: Davor wurde zu Silvester Blei gegossen. Einige heraus ragende Stellen von Kaminfiguren wirkten sehr abgegriffen und angeschmutzt. Es heißt, wenn man die richtige Stelle berühre, solle dies Glück bringen. | ||||||
Das Speisezimmer beeindruckt durch die ausgewogene Farbgebung und einem Blumen- und Früchtefries; Tafeln mit Früchten und Wildbret weisen auf die frühere Funktion hin. 2 Nur eine Vitrine zeigt noch vergoldetes Silber. Denn als 1918 alle deutschen Monarchen abdanken mussten, handelte die Herzogsfamilie mit dem Land einen Vertrag aus, nach dem sie alle beweglichen Sachen mitnehmen durfte. Durch die "Rote Audienz", ein schmuckes Vorzimmer, geht es in das Teezimmer. Dieser Raum war das Lieblingszimmer von Großherzogin Auguste Reuß zu Köstritz. 3 Leider hatte sie nach der Einweihung des Schlossumbaus nur fünf Jahre dieses Domizil genießen können, denn 1862 starb sie mit 40 Jahren. Noch weniger Glück hatte eine russische Zarentochter, deren schönes Porträt wir sahen. Sie wurde mit 15 Jahren verheiratet und starb an "blühender Schwindsucht" mit 18. Für die Dynastie war es nicht so schlimm, denn da hatte sie schon zwei Kinder. Mehr vom Leben hatte hingegen Alexandrine von Preußen, das sechste (überlebende) Kind von Königin Luise, 4 welche "die Schönheit von Brandenburg nach Mecklenburg brachte", wie Herr Holzmüller lobend erwähnt. Hinauf zur Festetage des Großherzogs führt wieder eine Treppe. Die Bibliothek ist ganz und gar mit Holz vertäfelt. Bei genauer Betrachtung fällt ein besonders tiefer "Bücherschrank" auf: Dahinter verbirgt sich ein Geheimgang, durch den der Herzog zu einer Treppe und letztlich in die Gemächer der Großherzogin gelangen konnte, aber mehr wird nicht verraten. Im Billardzimmer weist das Porzellan auf die intensiven verwandtschaftlichen Beziehungen zum niederländischen Haus Oranien hin. Hier können auch einige der 450 Gemälde des Schlosses besichtigt werden. Diese stammen zwar nicht von den ganz großen holländischen Meistern, aber vielfach von Meisterschülern. An der Länge der Schuhe der ganzkörperlich abgebildeten Personen lässt sich deren Rang ablesen, zwei oder drei Fußlängen kamen vor. Noch heute sagt man: "Er lebt auf großem Fuß." Den Höhepunkt im Schloss bildet der Thronsaal. Mit großem Aufwand an Materialien und Dekor wurde dieser Prachtraum vom Berliner Architekten F. A. Stüler gestaltet. Die Wappen oben im Fries repräsentieren die 40 Städte und Landesteile des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin. Der Thronsessel ist das Original. Die Bilder in der Schlössergalerie kennt der Autor zum großen Teil aus eigener Anschauung: Gadebusch und den Fürstenhof zu Wismar, die ganz ähnlichen Terrakotta-Bauschmuck wie Teile des Schweriner Schlosses tragen, natürlich Ludwigslust, die Ausweichresidenz für hundert Jahre ab 1756, und selbstverständlich Güstrow. Wie sich jeder Banker denkt, ist diese Galerie als Zeichen von Solvenz zu werten. Das Schweriner Schloss ist ein Konglomerat aus etlichen Vorgängerbauten. Großen Anteil an der heute noch stehenden Bausubstanz hat das "Große neue Haus". Großherzog Paul Friedrich ließ ab 1842 nach dem Vorbild des riesigen französischen Loire-Schlosses Chambord aus der Renaissance sein Schloss von Grund auf erneuern und erweitern. Der Bau ruht auf 9.000 Pfählen, setzt sich jedoch zur Seeseite hin ab. Er dürfte bereits 30 Zentimeter tiefer gesunken sein. Kürzlich wurde Zement in den Boden gepumpt, um mehr Stabilität zu bekommen. Das Schloss hat auch in jüngster Zeit manches aushalten müssen. Es wurde vom Museum zum Kriegslazarett, nach dem Zusammenbruch des Reiches Seuchenzazarett und bot vielen Flüchtlingen Unterschlupf. Zu DDR-Zeiten war im Schloss eine Kindergärtnerinnenschule. Allerdings war für - männliche - Besucher kein Hineinkommen, "verschlossen wie ein Kloster", wie auch Reiseleiter Kühn aus seiner Studienzeit zu berichten weiß. Seit 1990 hat der Landtag des wieder belebten "neuen" Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern hier seinen Sitz. Das gesamte Bauwerk besitzt rund 600 Zimmer, wovon der Landtag rund 200 nutzt und das Museum 30. Weitere herzogliche Wohn- und Schlafräume sollen in Zukunft hergerichtet und ebenfalls den Besuchern zugänglich gemacht werden. Dann gibt es hoffentlich nicht mehr ein solches Gedränge der Besucher von Raum zu Raum. Wieder im Freien schritten wir über Brücken und unter Bäumen hindurch zur Schleifmühle. Seit 1705 besteht dort eine Mühle. Am Rand des Schlossgartens zum Faulen See steht die rekonstruierte Steinschleiferei als funktionstüchtige Wassermühle, die als technisches Denkmal und Museum besichtigt werden kann. | |||||||
Nur 50 Zentimeter Gefälle genügen, um das unterschlächtige Mühlrad zu drehen. Wenn das Wehr nur um 10 Zentimeter geöffnet wird, und sich das Wasserrad mit seinen fast 4,50 Metern Durchmesser und 1,60 Metern Breite langsam in Bewegung setzt, entwickelt es eine Kraft von 5 bis 6 PS auf die Welle. Vor 200 Jahren waren es noch 15 PS, damals gab es mehr Wasser. Das Eichenrad hat Schaufelbretter aus Lärchenholz und hält lange. So lange wie eine Ehe halten soll, das heißt 50 bis 60 Jahre, wie der "Müller" mit seiner Mütze den Eltern des Brautpaares manchmal erklärt. | ![]() | ||||||
Mit der Wasserkraft beginnen die über die hölzerne Mechanik angeschlossenen Geräte im Innern mit dem Trennen und Polieren von Granitsteinen. Dicke, ungezahnte Eisen in einem Sägewagen schneiden sich langsam durch einen 60 cm hohen Granitblock und lassen die Besucher die Atmosphäre einer historischen Steinschleiferei nachempfinden. 5 Die Sägeblätter waren früher aus Schmiedeeisen, sind 3,50 Meter lang und 30 Kilogramm schwer. Jetzt sind zwei Blätter eingespannt, früher waren es bis zu neun, deren Eigengewicht ausreichte. Als Schleifmittel wird grober Quarzsand genutzt. Bei der Vorführung wird vom "Schleifmüller" abwechselnd Sand und Wasser von oben in die Sägespalten gefüllt. Früher haben drei Männer in der Mühle gearbeitet. Die großen skandinavischen Granitfindlinge aus der Eiszeit wurden damals im Fußboden verkeilt. Bei einer - nach Tageshelligkeit zwischen 12 und 17 Stunden dauernden - Arbeitszeit war ein 50 bis 60 Zentimeter dicker Stein in drei Monaten (!) zerschnitten. | |||||||
![]() | Die dünnsten Granitplatten haben 2 Zentimeter. Aber die Steine wurden nicht nur zu Platten zersägt. Wie das Museum unter dem Dach zeigt, gehörten neben Tischplatten, Fensterbänken, Kaminverkleidungen, Konsolen, Schrankböden auch kleine Dinge zum Produktionsumfang. Dies waren Leuchter, Stockknöpfe, Griffe für Petschaften, Briefbeschwerer und diverse Spielsteine sowie Schmuck aus "Halbedelsteinen". | ||||||
Diese Mühle war nicht immer Schleifmühle. Gebaut vor 300 Jahren wurde diese kleinste Schweriner Mühle als Lohmühle, um die Gerbsäure aus Rinde für die Lederbearbeitung zu gewinnen. Ab 1718 war sie Graupenmühle, um von der Gerste die Schalen zu lösen. Hierzu bestand ein Stampfwerk, das über eine Daumenwelle schwere Stampfer anhebt, wie ein Modell veranschaulicht. Die tüchtige Müllerin Frau Röber hatte einen Sohn, der nebenbei Granite und Halbedelsteine zu ahnsehnlichen Schmuckstücken bearbeitete. Dies weckte das Interesse des Herzogs, der 1755 die Mühle zur Steinschleiferei umbauen ließ. Bis zur Fertigstellung des Schweriner Schlosses wurden aus Marmor und Granit Teile der Innenausstattung von Kirchen und Schlössern wie auch Ludwigslust sowie der Sommerresidenzen in Doberan und Heiligendamm gearbeitet, bis hin zu Steinsarkophagen wie die im Doberaner Münster und der Schlosskirche in Ludwigslust. 6 Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Haus fast nur für Wohnzwecke genutzt, bis 1985. Zum 850-jährigen Stadtjubiläum wurde von der Stadt Schwerin ein Museum gestaltet, bis 1994 kein Geld dafür mehr da war. Der Stadtgeschichts- und Museumsverein ist jetzt der Träger. | |||||||
Nach dem Mittagessen in einem Lokal am Schlachtermarkt führte Klaus-Jürgen Kühn die Gruppe durch die Altstadt bis zum Pfaffenteich und zurück in den Dom. Im Dom, der Maria und Johannes geweiht ist, empfing uns Küster Semrock. Der Dom überragt die umgebende altstädtische Bebauung und bestimmt mit seiner Baumasse das Stadtbild weithin. Er ist ein prachtvolles Beispiel norddeutscher Backsteinarchitektur: eine dreischiffige Basilika mit ebenfalls dreischiffigem Querhaus und einem Umgangschor, der mit fünf dreiseitig geschlossenen Chorkapellen abschließt. Dieser Aufwand entspricht der Würde einer Kathedrale. 7 Der Dom ist 105 Meter lang. Das Gewölbe im Langhaus ist 29 Meter und 5 Zentimeter hoch, noch einmal so hoch darüber das Dach. Die original alten hölzernen Zuganker sind immer noch wichtig, sie stehen zum Teil unter Spannung. | ![]() | ||||||
Wie der Küster uns sagte, wurde tatsächlich unser Blick beim Betreten des Doms sofort nach oben gezogen. Architekt und Maler haben hier sehr gut zusammen gearbeitet. In den 70er und 80er Jahren wurde die Ausmalung in den farbigen Zustand des 15. Jh. zurück versetzt. Das Grün der Gewölbe-Rippen wirkt "leicht kitschig", beruht aber auf einem 1972 entdeckten Türkis. Der ehemalige Leiter der Denkmalpflege ist heute noch gram, denn er hätte die neogotische Fassung gern erhalten. Das 1880 eingebaute Gestühl war damals modern und vor allem repräsentativ. Im 19. Jh. geschahen die größten Eingriffe in das Bauwerk überhaupt. Diese waren notwendig geworden, nachdem die napoleonischen Truppen von 1812 - 15 den Raum als Lazarett und Stall Zweck entfremdet hatten. Die von Wagen abgestoßenen Portalziegel wurden ersetzt, wie man noch erkennen kann. Im zweiten Weltkrieg dagegen wurde Schwerin nicht nennenswert zerstört, nur der Flughafen und das Straßenbahndepot wurden getroffen. Doch beginnen wir ganz von vorn. Die erste Kirche wurde genau am 9. September 1171 unter Herzog Heinrich dem Löwen geweiht; von ihr ist nichts mehr erhalten. Der 1248 geweihte zweite, romanische, Bau entsprach dem Typus des Ratzeburger Domes. In der westlichen Südwand wurde Ende des 19. Jh. die frühgotische Paradies-Pforte des romanischen Vorgängerbaus wieder entdeckt. | ![]() | ||||||
1222 brachte Graf Heinrich von einem Kreuzzug dem Dom die Reliquie des Heiligen Blutes mit - ein roter Einschluss in einen Jaspis. Die Reliquie löste einen Pilgerstrom aus, der Geld einbrachte. Der "alte" Bau wurde abgetragen, der heutige gotische Dom ab 1270 gebaut und 1426 fertig gestellt. 1552 wurde der Dom zur evangelischen Pfarrkirche; die Reliquien gingen sofort verloren. Im Westen schließt der Turm mit drei gemauerten Geschossen und reicher Gliederung durch Pfeilervorlagen, Fenster und Blendfenster, bekrönt durch den Kupfer gedeckten Helm, den Bau ab. Der romanische Turm wurde 1889 - 92 durch den neogotischen heutigen ersetzt. Mit 117,50 Metern Höhe ist er der höchste Kirchturm in Mecklenburg-Vorpommern - er war auch in der DDR der höchste - und übertrifft St. Petri in Rostock um einen halben Meter. Nach der Domgeschichte brachte uns Küster Semrock die wichtigsten Ausstattungsstücke näher. Das große Triumphkreuz von 1420 stammt aus der leicht kriegsbeschädigten und von der DDR-Führung 1961 gesprengten St.-Marien-Kirche zu Wismar. Es wurde dem Schweriner Dom 1985 für 99 Jahre verpachtet, und damit, wie der Küster sagte, wer die Rechtsprechung kenne, für immer. Wir fanden die Farbgestaltung ungewöhnlich. Gold und Grün der Blätter entlang des Kreuzes weisen auf die Auferstehung Jesu Christi von den Toten hin. 8 Das Grün macht das Kreuz zum Baum des Lebens, zum Weinstock; Rot ist die Farbe des Sieges und der Freude. 9 Die Evangelistensymbole an den vier Kreuzenden stehen für die Menschwerdung (oben: Engel/Mensch - Matthäus), den Opfertod (unten: Stier - Lukas), die Auferstehung (rechts: Löwe - Markus) und die Himmelfahrt (links: Adler - Johannes). 10 Der während der Weihnachtszeit 1989/90 frisch gegründete Förderverein sammelte 75.000 D-Mark zur Restaurierung des Kreuzes und der Christusfigur. Das Kreuz wird flankiert von den Assistenzfiguren von Maria und Johannes, die sowohl nach Westen wie nach Osten blicken und kürzlich für nun 75.000 Euro in Stand gesetzt wurden. Wieder hergestellt wurde die zweite von sechs Farbschichten. Nach der Frage: "Waren Sie schon im Schloss?" und der Antwort "Ja" bestätigte uns Herr Semrock: "Sie haben den goldenen Blick." - Auf der Nordseite des östlichen Querschiffes traten wir unter das Gewölbe der Maria-Himmelfahrts-Kapelle. Die dortigen Malereien wurden 1962 frei gelegt und erst 2004 befestigt. Die untere Reihe der Wand-Medaillons stellt das alte, die obere das neue Testament dar, wie wir unschwer erkennen konnten. Das Gewölbe zeigt uns die vier Evangelisten. | |||||||
![]() | Wie die Kapelle der älteste Teil des Domes ist, so ist die Tauffünte darin der älteste Ausstattungs-Gegenstand. Der Kessel zeigt Heiligenfiguren, unter denen Maria mit dem Kind und Johannes und daneben die Taufe Christi zu erkennen sind. Dieser Bronzekessel wurde in der katholischen Zeit zu Ostern ganz mit geweihtem Wasser gefüllt. Kinder wurden zur Taufe völlig eingetaucht. Dabei ändert sich die Qualität des Wassers, die Menge nicht, wie der Küster schmunzelnd anmerkte. Das Gewicht des Wassers hat zusammen mit dem des Beckens von 1.175 Kilogramm die acht Füße in Form von Ritterfiguren geknickt. | ||||||
Das Entstehungsjahr 1326 kann nicht stimmen, es ist zu früh. Ein dargestellter Mann trägt seine "Geldkatze" knapp über dem Gesäß; dies war erst nach 1350 Mode. Auch die Flechtart der Zöpfe auf einer Tafel konnte mit einem Kunstlexikon so zeitlich eingeordnet werden. - Der Deckel der Taufe kam 1806 abhanden, so musste 1960 11ein neuer angefertigt werden. Übrigens: "Fünte" kommt vom lateinischen "fons" - "Quelle". Alle Fenster stammen aus der Zeit von 1843 - 99 und stellen das Leben Christi dar. Im Nordschiff im Westgiebel ist das Christi-Himmelfahrts-Fenster das älteste von allen. Im Lang- und Querhaus sind weiße Fenster wegen des einst dunklen Gewölbeanstrichs aus der neugotischen Zeit. Wir gingen den Chorumgang entlang, vorbei an der Heilig-Blut-Kapelle. Dort wurde im Oranier-Jahr 2001 Herzog Friedrich-Franz II. gedacht. In der Nordkapelle mit dem Grabmal von 1595 für Herzog Christoph zeigen die Alabasterplatten der Tumba den Sündenfall und die Grablegung Christi, den aus dem Fischbauch kommenden Jona und die Auferstehung Christi. Nach dem Tod von Herzog Paul Friedrich 1842 wurde der Dom herzögliche Grablege. Die mittleren Chorkapellen wurden hierzu vereinigt. Im Chor selbst steht auf der Südseite noch die großherzogliche Loge. Es sind zwar leider Holzwürmer drin, dennoch dürfen darauf Brautleute sitzen. In der Mitte wirkt romantisch der neugotische Altar von Gaston Lenthe. | |||||||
Der vergoldete Flügelaltar kam 1948 zurück in den Dom. Im 19. Jahrhundert war er ins Museum gebracht worden. Das Mittelbild ist aus Sandstein, nicht aus Holz. Es stellt die Leidensgeschichte Jesu mit Kreuztragung, Kreuzigung und Höllenfahrt dar und wurde 1450 12 von Bischof Dr. Conradus Loske gestiftet und in einer Lübecker Werkstatt gearbeitet. Rechts und links des Reliefs stehen die Gottesmutter Maria und der Evangelist Johannes. 1495 ist es in den Dom gekommen. Der neue Vierungsaltar davor steht auf einem Labyrinth - einem uralten Symbol, um den mühevollen Weg des Menschen zu Gott darzustellen. | ![]() | ||||||
Die Orgel von 1871 mit neugotischem Prospekt hat vier Manuale und 84 Register, also Klangfarben, und über 5.500 Pfeifen. 13 Die Restaurierung von 1988 hat 400.000 Mark der DDR überstiegen. Vereinsfreund Siegfried Schwanz wies uns kurz darauf hin, diese Orgel stamme aus der Werkstatt von Friedrich Ladegast in Weißenfels, wo auch der Neuruppiner Orgelbauer Hollenbach seine Gesellenjahre gearbeitet habe. Mit ausgewählten Musikstücken wurde uns das 1988 restaurierte Instrument auch akustisch vorgestellt. So klang der Aufenthalt in Schwerin bei mildem Nachmittagslicht langsam aus. Dem Organisator Klaus-Jürgen Kühn, der uns schließlich zum Aufbruch antrieb, steht unser großer Dank zu. Autor: Manfred Maronde, Neuruppin Veröffentlicht im Mitteilungsheft Nr. 16 | |||||||
Endnoten: 1 Mehr im Internet: www.schwerin-tourist.de/ansicht/schloss_peter.html 2 Internet:www.schloss-schwerin.de/schwerin/sammlung/sammhome.htm 3 Buch: Stammtafeln europäischer Herrscherhäuser, von Brigitte Sokop, Böhlau Verlag Wien, 1976, 3. Auflage 1993, Tafel 23 4 Buch: Brandenburgs Kurfürsten, Preußens Könige, Edition Rieger, Karwe bei Neuruppin, 5. Auflage 2001, Seite 50 5 Internet: www.schwerin-tourist.de/ansicht/muehle.html, außerdem www.schleifmuehle-schwerin.de 6 Faltblatt "Schleifmühle Schwerin", Schleifmühlenweg 1, 19061 Schwerin 7 Broschüre "Der Dom zu Schwerin", von Ernst-Friedrich Roettig, DKV-Kunstführer Nr. 418/3, achte Auflage, Deutscher Kunstverlag GmbH München Berlin 8 Faltblatt "Willkommen im Dom" 9 Internet www2.kirche-schwerin.de/dom/p/gesch.html 10 Broschüre "Der Dom zu Schwerin" 11 gem. Küster Semrock, jedoch nach Internetwww2.kirche-schwerin.de/dom/p/gesch.html und Broschüre "Der Dom zu Schwerin" schon 1950 12 laut Küster Semrock, nach www2.kirche-schwerin.de/dom/p/gesch.html aber 1430, gemäß Broschüre "Der Dom zu Schwerin" 1440 13 laut Faltblatt "Willkommen im Dom", nach Internet www2.kirche-schwerin.de/dom/gesch.html nur 5.200 Pfeifen Bildnachweis: Schleifmühle: Internet, www.schleifmuehle-schwerin.de Dom, Tauffünte: www2.kirche-schwerin.de/dom Alle anderen Aufnahmen stammen vom Autor. | |||||||