Preußische Schlösser und Gärten an der Havel zwischen Berlin und Potsdam Auf den Spuren von Schinkel und Lenné, die einst die Träume von Prinzen und Königen wahr werden ließen | |||||||
Am Sonnabend, 20. Mai 2006, hatten sich an drei Punkten in Alt Ruppin und Neuruppin rund drei Dutzend Mitglieder und Freunde des Historischen Vereins der Grafschaft Ruppin e.V. versammelt. Sie alle hatten sich zur Tagesfahrt angemeldet. Der Bus der ORP war für 7:30 Uhr bzw. jeweils 10 Minuten später an den beiden weiteren Zustiegspunkten bestellt. So ging auch der Autor dieses Berichts zur Neustädter Straße. Dort wartete bereits eine einsame Dame. Wir kamen ins Gespräch und plauderten. Etwa 20 Minuten nach acht unterbrach sie und meinte: "Ob der Bus uns vergessen hat?" So sehr verspätet hatte er sich noch nie. So beschloss ich, zum Heimatmuseum zu gehen. Dort wartete ein großer Pulk Reisefreunde. Die Nachricht von Frau Land war, es habe ein Problem bei der Verkehrsgesellschaft gegeben, und der Bus werde in einer Viertelstunde kommen. So geschah es auch. Mit reichlich einer Stunde Verspätung brachen wir - ohne einige Mitglieder aus Alt Ruppin, die des Wartens überdrüssig wieder nach Hause gegangen waren - Richtung Landes- und Bundeshauptstadt auf. An Stelle von Herrn Kühn übernahmen die Vereinsvorsitzende Frau Uta Land und ihre Stellvertreterin Helga Rentke die Reiseleitung. Frau Land gab einige Informationen zu den drei Reisezielen über das Mikrofon. Frau Rentke sammelte die Essenswünsche - hier gab es drei Gerichte zur Auswahl - ein, während Frau Land die fehlenden Reisepreise kassierte. Nach einer Stunde waren wir in Potsdam und fuhren nach Osten auf der alten Reichsstraße 1 über die Glienicker Brücke nach Berlin. Wir müssten eigentlich links abbiegen zur Pfaueninsel, aber dies war kilometerweit schlicht unmöglich. So fuhr der Fahrer weit in die alte Reichshauptstadt hinein, bis er wenden konnte. Mit jetzt eineinhalb Stunden Verzug kamen wir am Fähranleger an. Die kleine Fähre setzte uns in wenigen Minuten über. | |||||||
Auf der Pfaueninsel (links historischer Plan)liegt das kleine Schloss nah am Fähranleger (am westlichen Rand) etwas erhöht und hinter Bäumen versteckt. Aber schon war der optimale Fotografier-Punkt gefunden. Das Schloss mit den beiden Rundtürmen an den Seiten und den eigenartig abgebrochenen Wänden wird von einer Bogenbrücke zwischen den Türmen überspannt. Wie romantisch! Dieses leicht gebaute Sommerschloss (Foto unten) mit hölzernen Wänden wirkt bei näherem Hinsehen doch etwas ramponiert. In seinem Inneren wurden wir auf beiden Etagen von einer kundigen schlanken Dame geführt, die uns etwas von den guten Jahren vorschwärmte, als hier der preußische Hochadel seine Sommer verbrachte. | ![]() | ||||||
![]() | König Friedrich Wilhelm II. ("Der dicke Wilhelm", der Wiedererbauer Neuruppins) und seine Mätresse Wilhelmine Enke ("Die schöne Wilhelmine", die zur Gräfin Lichtenau geadelt wurde) richteten sich hier ein. Doch bereits 1797 starb Wilhelm, und Wilhelmine zog fort ins niederschlesische Glogau, ohne hier gewohnt zu haben. An den Wänden sind noch die Original-Tapeten erhalten, die Wilhelmine ausgesucht hatte. In der Beletage ist der Saal mit schönen Schwarzpappel-Panelen ausgekleidet (Bild unten), die wie hellbrauner Marmor wirken. In einem Eckturm ist eine tahitische Bambushütte nachempfunden worden. Böhmische Kristalllüster hängen von der Decke. Die Räume sind sparsam möbliert, z.B. mit einem Paravent von 1820, der bunt beklebt ist, einem Roulettspiel, genannt "Tunnel und Kolosseum", und einer Vitrine mit Hüten der Königin Luise. Königin Luise und König Friedrich Wilhelm III. übernahmen das Haus und die Insel, um sich hierher zurück zu ziehen. F.W. III. feierte seine Geburtstage, am 3. August, hier. Es war die Zeit der Romantik, bereits ein Ausdruck des Untergangs des Adelslebens. Auf der Insel waren eine Musterfarm mit 38 Rindern und eine Meierei, die aber eher ein Spiel des Adels als echtes Landleben verkörperten. | ||||||
Die Insel, zuvor Kaninchenwerder genannt, ist, wie damals gemessen wurde, 2000 Schritte breit und 5000 Schritte lang. Das jetzt Pfaueninsel genannte Idyll von 67 Hektar Fläche hatte Friedrich Wilhelm II. 1793 erworben. Insbesondere Peter Joseph Lenné hat den Landschaftsgarten gestaltet, zu dem 400 malerische Eichen zählen. - Uns fehlte jedoch die Zeit für einen Inselspaziergang, weil das Mittagessen mit opulentem 3-Gänge-Menü im Freien nah dem Fähranleger auf dem Festland wartete. | ![]() | ||||||
![]() | Zurück ging es auf die Bundesstraße 1 zur Glienicker Brücke (links). Gleich an der Ecke, auf dem Berliner Ufer der Havel, beginnt der Park mit der "Großen Neugierde". Wir gingen hinein und teilten die Gruppe in zwei Teile für die beiden Führerinnen. Unserem Teil erklärte Frau Agnes Luthardt die Gebäude und den Park kenntnisreich und ganz ausführlich, obwohl sie gerade eine Grippe überstanden hatte. | ||||||
An Stelle des Schlosses Glienicke stand ein Herrenhaus, welches zuerst dem Grafen Lindenau, danach dem Staatskanzler August Fürst von Hardenberg gehörte. Den Pleasure-Ground hatte der Gartenkünstler Lenne auf den sanften Hügeln angelegt. Nach seiner Italienreise 1823, die ihn auch nach Pompeji führte, begehrte Prinz Carl das Anwesen von seinem Reisegefährten. Des Kanzlers Sohn verkaufte das Areal für 50.000 Taler (zuzüglich 10.000 Taler "Handgeld") an den 22-jährigen Prinz 1824. Karl Friedrich Schinkel wurde 1825 mit dem Umbau des Herrenhauses betraut. Jetzt wurde "antik gebaut". Das Herrenhaus wurde zur Drei-Flügel-Anlage erweitert. Schon die Außenwände zum Innenhof sind mit antiken Spolien verziert, die in den Putz eingelassen sind. Diese Reliefs, Torsos von Statuen, Säulen, Schrifttafeln, Mosaiken u.s.w. kaufte der Prinz oder ließ sie sich schenken. Auf der offenen Seite steht eine Bronzestatue von Castor und Pollux, dahinter eine Hecke. Diese diente als Sicht- und Schallschutz für den dahinter stehenden Pferdestall. Im Obergeschoss des Marstalls sind Gästewohnungen, und oben ragt seit 1832 ein Turm wie ein italienischer Campanile empor, der nach Schinkels Tod noch ein Obergeschoss aufgesetzt bekam (Foto rechts). | ![]() | ||||||
Wir gingen durch die Räume im Erdgeschoss. Der kleine Eingangssaal mit dorischen Säulen dient heute als Konzertraum. In den anderen Räumen werden Wechselausstellungen gezeigt. Im Obergeschoss sind die Räume noch so eingeteilt wie zu Hardenbergs Zeiten. Das Zentrum bildet der Rote Saal, an den sich der grüne Salon, das türkise Schlafzimmer der Prinzessin, das Marmorzimmer und die tiefblaue Bibliothek anschließen. Alles ist sehr prächtig, hat das richtige Maß und ist Teil eines harmonischen Ganzen. Gleich oberhalb der Treppe in einem kleinen Raum sind Vitrinen mit edlem Porzellan der KPM, böhmische Gläser und Silber sowie Aquarell-Gemälde von Franz Krüger ("Pferde-Krüger") zu sehen. Ein Gemälde zeigt Carls Lieblingsschwester Charlotte auf einer russischen Troika. Als Jäger, der die Hubertusjagd wieder einführte, ist Carl zu sehen, und auch sein Lieblingspferd Agaton. Im Weißen Salon, dem Speisesaal, stehen Büsten aus weißem Stuckmarmor von Schinkel, Lenné und Prinzessin Marie. Im Roten Salon hängen große Ölgemälde, auf denen Carl, der auch Johanniter-Herrenmeister war, sich in Napoleon-Pose hat malen lassen. Auch die schöne Marie Luise Alexandrine von Sachsen-Weimar-Eisenach, eine sehr gebildete Frau, ist auf einem guten Ölgemälde zu bewundern. | ![]() | ||||||
![]() | Nun ging es zurück ins Freie - in den Park. Dieses nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten gestaltete Areal besteht aus drei Teilen: Park, Blumengarten und Pleasure-Ground. An der kleinen Treppe wachen zwei Sphinxen als Bewahrerinnen von Geheimnissen. Seitlich steht etwas erhöht ein halbrunder Pavillon - zum Tee trinken. Zur Straße hin folgt die Fontäne, die von zwei von Schinkel gestalteten Wasser speienden vergoldeten venezianischen Löwen flankiert wird. Der kleine Milchmädchenbrunnen mit seiner Bronzefigur erinnert leicht an die Meerjungfrau, von weitem. Die Geschichte mit dem Milchmädchen geht so: Das Mädchen geht mit dem vollen Milchkrug auf den Markt. Dort will es die Milch verkaufen und vom Geld ein Huhn kaufen. Dies soll ihm Eier legen, die ausgebrütet zu noch mehr Hühnern werden. Schließlich möchte das Mädchen von all dem Geld ein Schwein kaufen. Doch während das Mädchen träumt und vor sich hin hüpft, fällt der Krug zu Boden und zerbricht. Es war eine Milchmädchenrechnung. | ||||||
Wieder nah der Straße steht die "Kleine Neugierde", ein eckiges Teehaus mit Blick auf den Verkehr in beide Richtungen. Das Gebäude ist eine Mischung aus Renaissance und Klassizismus. Der Weg führt hangauf durch den Park - den Lenné mit drei Buchenarten, Weiß-, Rot- und Blutbuchen, sowie Platanen bestückt hat. Die Platanen stammen aus Wörlitz, von wo sie zunächst einen Potsdamer Friedhof zierten und im Alter von 60 Jahren hierher geborgen wurden. Aus dem Rasen ragen leicht einige Säulenstücke und Kapitelle heraus. Sie stammen vom griechischen Kap Sunion bzw. wurden nachgebaut. Und ganz in der Ecke sind wir wieder an der "Großen Neugierde" angekommen, die rund aufragt und den Blick auf Havel, Jagdschloss und Glienicker Brücke frei gibt. Der Baukörper wurde unten dem Vesta-Tempel in Rom und oben einer Athener Säule nachempfunden. Wenn Carl hier Tee trank und Gäste kamen, die er nicht empfangen wollte, war er eben nicht zu Hause. | ![]() | ||||||
Am See geht es die Treppe hinauf zum Casino (Bild oben: Karyatiden rahmen ein illusionistisches Fresko hinter einer Statue). Einen Vorgängerbau baute Schinkel 1824 - 25 um. Der elegante Saal im Erdgeschoss war einst mit vielen antiken Figuren bestückt. Im Obergeschoss gab es Gästewohnungen. Wenn Gäste da waren, wurde auf der Havel der Golf von Neapel nachgespielt - mit Segelschiffen, die abends wie das Casino-Dach mit Feuerschalen beleuchtet wurden. Der Kreis schließt sich bald - wir kommen zum Klosterhof. Dieser 1850 erbaute Campo Santo mit byzantinischem Mosaik ist das späteste Gebäude der ganzen Anlage. Carl war nicht religiös - im Gegenteil. Und natürlich gehört eine Orangerie zum Schlosspark - hier steht sie gleich neben dem Marstall, um im Winter die Zitrusbäume aufzubewahren. So haben wir den Prinzen Carl, den drittältesten Sohn von Friedrich Wilhelm III. und Luise, der von 1801 bis 1883 lebte, kennen gelernt. Und mit ihm seine drei Leidenschaften: das Sammeln, die Jagd und das Spiel. Glienicke ist gleichsam zum Abbild seiner Neigungen geworden, denen er sich mangels politischer Aufgaben voll und ganz widmen konnte. Seine Anregungen bezog er von seinen elf Italien-Reisen und ebenso vielen Russland-Aufenthalten bei seiner dorthin mit einem Zaren verheirateten Schwester Charlotte. | |||||||
Nun fuhren wir wieder zurück über die Glienicker Brücke zum Potsdamer Pfingstberg. Der Bus umrundete ein Wohngebiet, um die Rückfahrmöglichkeit zu prüfen, bevor er uns aussteigen ließ. Jetzt kamen endlich die mitgebrachten Regenschirme zu Ehren, als wir dem Rat auf den Schildern am Hangweg beherzigten: "Gehen macht fit". Am monumentalen Belvedere, das wie ein Römerbau aus der Antike wirkte, gingen wir zunächst vorbei, durch eine Schrebergartenanlage mit blühenden Fliederbüschen zum Kaffee-Lokal. Der flotte Kellner hatte alles sofort im Griff und wir blieben im Zeitplan. Unter den Arkaden des Belvedere vor Regen geschützt trafen wir auf Frau Rotraud Kautz, die uns als Gründungsmitglied des "Fördervereins Pfingstberg in Potsdam e.V." führte. Die engagierte Dame erklärte uns nicht nur das Bauwerk, sondern erzähle aus eigenem Erleben kleine Begebenheiten der Begegnungen mit den Mäzenen. | ![]() | ||||||
Das Belvedere umschließt einen Innenhof mit dem Wasserbecken, an drei Seiten mit Bogengängen und an der Stirnseite mit einer Mauer (Foto oben rechts). Das Bassin ist 1,90 Meter tief, wird mit Wasser aus dem Jungfernsee gespeist und verbirgt eine versenkte Bühne auf seinem Grund. Dieses Becken war der Grund, warum die Anlage überhaupt erhalten blieb. Denn mit dem Wasser wurden die Fontänen gespeist, welche eine Touristenattraktion sind - und auch zu DDR-Zeiten waren. Ansonsten war das ganze Bauwerk in einen stark ruinösen Zustand verfallen und von Wildpflanzen überwuchert. Die Anlage auf dem Pfingstberg entstand von 1847 - 63 als Aussichtspunkt, wie der Name Belvedere schon sagt. Dieses Bauwerk ist also kein Schloss, sondern eine Treppenanlage mit Laufgängen und zwei Türmen. In jedem der Türme ist im Obergeschoss ein mit Kacheln bzw. Fresken geschmückter geschlossener Raum eingelassen. Alle anderen Bauteile sind seitlich offen. Architekten waren Ludwig Persius, Friedrich Stüler und Ludwig Ferdinand Hesse, die Pläne von König Friedrich Wilhelm IV. ausführten. Der König brachte die Idee von einer Romreise mit - wie sein Bruder Carl - auch wenn ihr Vater nicht wollte, dass sie sich zu sehr in architektonische Leidenschaften vertieften. Als deren Bruder Wilhelm König wurde, ließ er bis 1863 die Anlage wesentlich kleiner als geplant ohne Wasserspiele (wie sie z.B. in der Papstvilla Caprarola und der Villa Lante in Bagnaia oder auch an der Spanischen Treppe in Rom zu sehen sind) und ohne Kasino zu Ende bauen. Heute sieht das ganze Bauwerk aus wie ein Neubau, einfach perfekt. Wem verdanken wir dies? In erster Linie einer Gruppe junger Leute, die bereits 1987 den Mut hatten, die seit Jahrzehnten wegen der Blickmöglichkeit nach Westberlin verfallene Anlage zu retten. | |||||||
![]() | Sie schlossen sich unter dem Dach des Kulturbundes der DDR als Arbeitsgemeinschaft Pfingstberg zusammen. Nach der Wende wurde daraus ein eingetragener Verein. Dieser Verein zählt aktuell 64 Mitglieder und legt Wert darauf, ohne einen Euro öffentlicher Gelder zu arbeiten. Seine Aufgaben sieht er vor allem in der Geldbeschaffung für die Baumaßnahmen, auch durch öffentliche Veranstaltungen. Grundeigentümer und damit auch Bauherr ist aber die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. | ||||||
Nun zur Geschichte der Sanierung, die uns staunen ließ. Als die ersten Denkmalsfreunde sich durch das Gestrüpp auf den Berg wagten, war der Eingang mit einer Eisenplatte versperrt. Zwei Pfeiler waren schon eingestürzt, im Gebäude hatte es gebrannt (was eigentlich? Hier ist doch alles aus Stein - bis auf das Dach über dem Säulengang (Foto unten). Die 15 jungen Leute, die nicht aus der DDR ausreisen, sondern in ihrem Land bleiben wollten, forderten von der Staatsmacht ein, diesen Ort nicht weiter verfallen zu lassen. | |||||||
Sie fingen an zu arbeiten und räumten auf. Der Garten wurde wieder erkennbar, Rasenplatten wurden hier herauf getragen. 1989 im Juni wagte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Prof. Giersberg, hier ein Fest auszurichten. Es kamen mehrere Tausend Besucher! Einmal besuchte Prof. Dr. Werner Otto, geboren in Seelow und Gründer des Hamburger Großversandhauses, Potsdam. Frau Kautz machte ihn neugierig, einen Blick von oben auf das Gelände der BuGa (Bundesgartenschau) zu werfen. Sie hatte die heimliche Hoffnung, ihn als Mäzen für den Aufbau von einem der beiden Türme gewinnen zu können. Otto fragte nach den Kosten. Sie nannte ihm den Betrag von 4,5 Mio. DM. Otto, damals 89 Jahre alt, antwortete ihr: "Ich nehm' mal den Turm. Sie können ihn gleich einpacken." So machte er sich an seinem Geburtstag, dem 13. August, selbst ein Geschenk, im Beisein von Vereinsvorsitzenden Eschenburg, Finanzministerin Dr. Wilma Simon, Ministerpräsident Stolpe und anderen Prominenten. Gast war aber auch Hermann Reemtsma, Besitzer eines großen Tabak-Imperiums. Der wollte sich nicht lumpen lassen und fragte nach, was er tun könne. Er übernahm sodann die Eingangshalle. | ![]() | ||||||
Als beide Teile fertig waren und eingeweiht werden sollten, fragte Reemtsma, was denn der 2. Turm kosten würde. Etwas schwerhörig wandte er sich an die neben ihm stehende Finanzministerin Simon: "Was haben wir abgemacht?" Sie: "6,8 Mio. DM." Er ins Mikrofon: "6 bis 8 Mio. DM." Von diesen Geschichten neugierig gemacht stiegen wir auf den breiten Freitreppen die 66 Stufen hinauf und gingen durch die oberen Säulengänge in den rechten Turm. Die schönen Fliesen - in der Mitte türkis und im Rahmen in maurisch anmutenden Sternformen - sind alle neu. Nicht eine Fliese war mehr am Ort. Zufällig fand sich ein Sammler, der kurz nach dem Krieg eine Fliese als Souvenir mit genommen hatte, nachdem er vergeblich den dort versteckten Schmuck und den zurück gelassenen Sowjetpanzer gesucht hatte. Von hier und vom Nachbarturm führt eine Gusseisen-Wendeltreppe 88 Stufen in die Höhe - und trotz des leichten Regens war der Ausblick bis weit in die Ferne einzigartig. | |||||||
![]() | Wieder unten wollten wir im Vorbeigehen den zierlichen Pomona-Tempel (links abgebildet) unterhalb der halbrunden Hecke vor dem Belvedere anschauen. Schinkel-Kenner horchen auf: Dieser Tempel ist doch sein Erstlingswerk! In der Tat, bereits 1800/01 plante er dieses Kleinod. Die kannelierten Säulen im Portikus sind - aus Holz. Der viereckige Innenraum ist etwa so groß (oder klein) wie der Tempel in Neuruppin. Darin ist eine kleine Ausstellung zu sehen. Auch der Tempel war stark zerstört und wurde 1992/93 wieder errichtet. Zufällig kam ein Violinist mit seinem Instrument hier vorbei und frage Frau Kautz, ob er im Tempel einmal proben dürfte. Daraus entstand schließlich ein Kulturkalender. | ||||||
Den Rat, uns "mit Laufen fit zu halten", befolgte ein Teil der Gruppe noch einmal. Statt den Hinweg auch als Rückweg zu nutzen, wurde eine vermeintliche Abkürzung hangabwärts gesucht. Doch diese war ein Umweg und dauerte eine halbe Stunde. Schließlich kamen wir in das bereits mit dem Bus erkundete Areal und fanden zurück. Unser Busfahrer entschuldigte sich mit einem Schnäpschen für die morgendliche Verspätung und brachte alle Reisenden wieder in ihre Heimat. Herrn Klaus-Jürgen Kühn als dem Organisator steht für seine Vorarbeiten ein großes Dankeschön zu. Autor und Fotograf: Manfred Maronde, Neuruppin Veröffentlicht im Mitteilungsheft Nr. 17 | |||||||