Ein Verein wirft die Netze aus
Förderer des Museums wollen das Haus wieder zum Renner machen

NEURUPPIN a Eine ehemalige Vizebürgermeisterin, eine Hoteldirektorin, eine Abgeordnete und ein Verleger - Neuruppins Museumsleiter Hansjörg Albrecht ist hin und weg. Die Zusammensetzung des Fördervereinsvorstandes für sein Haus beflügelt ihn wie lange nichts. Gemeinsam mit Margarete Jungblut, Martina Jeschke, Kerstin Kroll und Günter Rieger will Albrecht das Museum auffrischen, ausbauen und besser als bisher vermarkten.

Die Voraussetzungen dafür seien bestens, schwärmte Albrecht gestern, als er gemeinsam mit seinen neuen Partnern das Objekt des Monats Februar präsentierte: Margarete Jungblut sei in der Rolle der Ex-Dezernentin "gut vernetzt und nah an der Stadtpolitik", Martina Jeschke bringe als Chefin des "Seehotels Fontane" "eine Herz erfrischend andere Denke" in den Vorstand ein, Kerstin Kroll sei als Vorsitzende des Werksausschusses ohnehin "eng mit dem Museum verbunden", und Günter Rieger bereichere den Kreis der Förderer mit seiner "genauen Kenntnis der Geschichte der Region".

Alle vier wollen sich nun gemeinsam mit Hansjörg Albrecht der die Geschäfte des Verein führen wird, und bislang zehn Mitgliedern an die Arbeit machen. Ziel der Förderer ist zum einen, die Werte des Museums zu erhalten und Exponate aus dem bislang ungenutzten Fundus Stück für Stück zu entstauben. Zudem will der Verein das Museum wieder mehr in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung rücken. Geplant ist etwa, dass sich Mitarbeiter des "Seehotels Fontane" bei einer Sonderführung ein besseres Bild von dem Haus und den darin ausgestellten Schätzen machen, um bei den Gästen gezielt fürs Museum werben zu können. "Das sind kleine Dinge, die kein Geld kosten, aber viel bewirken können", sagt die Hoteldirektorin Martina Jeschke.

Bei allem, was der neue Verein im Interesse des Museums anpackt, will der Vorstand eng mit dem bereits bestehenden Vereinen zusammen arbeiten. Erste Gespräche - etwa mit dem Tempelgartenverein und der Schinkelgesellschaft - seien bereits gelaufen. "Wir sind kein Parallelunternehmen", betont Vereinschefin Margarete Jungblut. Vielmehr gehe es dem Vorstand darum, im Sinne der Sache mit den anderen Vereinen an einem Strang zu ziehen.

Eine der ersten Amtshandlungen des Vorstandes war gestern die Präsentation des neuen Objekts des Monats.  Bei dem Exponat handelt es sich um ein 91 Seiten starkes Typoskript des früheren Gildenhaller Lehrers Walter Eggestein. Das mit Maschine geschriebene Heft mit den eingeklebten Schwarz-Weiß- Fotografien ist in den 80er-Jahren über den Enkel Eggesteins ins Museum gelangt. In dem Typoskript befasste sich Eggestein mit reformpädagogischen Ansätzen - angelehnt an die Lehren der Italienerin Maria Montessori.

Walter Fggestein unterrichtete in der 1927 auf Privatinitiative gegründeten Schule in der Freilandsiedlung Gildenhall, die ein Jahr später verstaatlicht und mit der Eingemeindung Gildenhalls im Jahr 1930 schließlich aufgelöst wurde. Sein Werk ist als Vorschau auf eine Ausstellung alter Schul- und Lehrbücher gedacht, die morgen im Obergeschoss des Museums eröffnet wird.

Die Schau "Ausgelernt, ausgestellt - Schul- und Lehrbücher neu entdeckt" ist ab morgen, 17 Uhr, zu sehen. Die Mitgliedschaft im Förderverein kostet 35, für Paare 50 Euro pro Jahr. Interessenten melden sich unter  03391/4580624.

Bildunterschriften: (rechts) Schön zum Schmökern: Für das Reformpädagogik-Heft des Lehrers Walter Eggestein hat der Vorstand die Patenschaft übernommen.
(nicht im Internet) Das Deckblatt des Objekts des Monats Februar.

Bildunterschrift (nicht im Internet): Fünf Leute, ein Ziel: Kerstin Kroll, Martina Jeschke, Margarete Jungblut (v.I.), Günter Rieger (h.r.) und Hansjörg Albrecht wollen das Museum zum Magnet machen.

Fotos (3): Juliane Becker

15.02.2007, Märkische Allgemeine, Juliane Becker
Bildname
Bildname
Neues Objekt aus Gildenhall
Das Objekt des Monats Februar im Neuruppiner Museum stammt aus Gildenhall. Es ist ein Typoscript, ein selbst mit der Maschine geschriebenes Buch von Walter Fggestein. Dieser gründete 1927 die Schule der Gildenhaller Freilandsiedlung. Eggestein verfolgte dabei einen reformpädagogischen Ansatz. Dieser Versuch einer neuzeitlichen Unterrichtsgestaltung währte nicht lange, die Schule schloss 1930. Foto (nicht im Internet): Mahler

Das Museum fördern
Ein Förderverein will jetzt das Neuruppiner Museum unterstützen. Der Verein unter Vorsitz von Margarete Jungblut (Zweite von links) möchte mit Geld und Engagement das Museum attraktiver machen. Foto: Mahler
Wenn alle nur gewinnen können
Förderverein des Museums stellt sich vor

NEURUPPIN - Wenn Hotelchefin Martina Jeschke von einer Win-Win-Situation spricht, zuckt die gelernte Deutschlehrerin Margarete Jungblut zwar zusammen, aber nur ein wenig. Ansonsten herrscht bestes Einvernehmen zwischen der Vorsitzenden Jungblut und ihrer Stellvertreterin, und auch der Rest des Vorstands ist durchaus gewillt, kräftig an einem Strang zu ziehen. Kurz vor Weihnachten wurde in aller Stille ein Förderverein für das Museum Neuruppin gegründet (RA berichtete).

Auch fast ohne Werbung hat der Verein mittlerweile ein knappes Dutzend Mitglieder, und dazu kommt noch der Vorstand. Vorsitzende ist Margarete Jungblut, die frühere Erste Beigeordnete der Fontanestadt. Eine Frau, so Museumschef Hansjörg Albrecht, die nahe an der Stadtpolitik ist und überdies gut vernetzt. Zweite im Bunde ist Martina Jeschke, Chefin des "Seehotels Fontane". Sie bringe die Aspekte Tourismus und Marketing in den Verein, so Albrecht und habe eine "Herz erfrischend andere Denke". Neben Albrecht vervollständigen die PDS-Politikerin Kerstin Kroll und der Verleger Günter Rieger die Vereinsspitze.

"Wir wollen das Museum wieder mehr in den Blickpunkt der Menschen rücken", sagte die Vorsitzende gestern bei der Vorstellung des Vereins. Sie setzt dazu auf ein gemeinsames Vorgehen, zum Beispiel mit dem Historischen Verein sowie der Schinkel- und Fontane-Gesellschaft.

Neben diesen Kooperationen hat der Förderverein auch ganz handfeste Möglichkeiten, das Museum zu unterstützen. Vor allem mit Geld natürlich: Die Mitglieder, und insbesondere die Vorständler, wollen Spenden sammeln und Sponsoren für eine Mitarbeit gewinnen. Zudem kann der Verein auch Fördermittel einwerben - alles Möglichkeiten, die es vorher nicht gab so Albrecht. Damit lasse sich zweierlei erreichen: Zum einen kann der Förderverein durch seine finanzielle Hilfe Ausstellungen ermöglichen. Das erste Beispiel können die Neuruppiner bereits morgen bewundern, wenn um 17 Uhr im Rahmen von "Ausgelernt Ausgestellt" auch die aus Köln stammende Ausstellung "Kaba und Liebe" eröffnet wird. Ohne Mittun des Fördervereins wäre das nicht realisierbar gewesen. Aber Albrecht erhofft sich durch den Förderverein noch weitere Hilfe - die bei der Pflege der Sammlung. In seinem Keller lagern noch viele Schätze, die der Konservierung und Restaurierung bedürfen.

Auch mehr Besucher können die Kassen füllen. Dabei kann Martina Jeschke mithelfen, die ihren Hotelgästen sicher gerne den Weg ins Museum weist. Dadurch können beide nur gewinnen, so Chefin, und das sei dann eben eine Win-Win-Situation.

Info: Hansjörg Albrecht, (0 33 91) 45 80 60

15.02.2007, Ruppiner Anzeiger, Theo Weisenburger
Spielend lernen
Objekt des Monats im Museum

Neuruppin (ge). 1929 veröffentüchte der Gildenhaller Lehrer Walter Eggestein einen 91 Seiten starken Tätigkeitsbericht über neue Formen der Unterrichtsgestaltung. Anhand von Beschreibungen und Fotos beschrieb Eggestein neue Unterlrichtsmethoden, die er in die Fächer Lesen, Schreiben und Rechnen einfließen ließ. Viele der dargestellten Methoden ermöglichen eine spielerische und sehr anschauliche Unterrichtsgestaltung. Auf den
Fotos sind Unterrichtsmittel zu sehen, die Eggestein mit einfachen Mitteln anfertigte.

Das Typoskript gelangte 1983 durch den Enkel des Lehrers in den Besitz des Museums. Für Museumsleiter Hansjörg Albrecht war die in der vergangenen Woche eröffnete Sonderausstellung zu Schul- und Lehrbüchem der richtige Anlass, um das Typoskript aus dem Archiv ins Licht der Aussterungsräume zu holen.

Die 1927 in der Gildenhaller Freilandsiedlung gegründete Schule wurde 1928 verstaatlicht und bereits 1930 wieder aufgelöst.

Bildunterschriften (nicht im Internet): Der Tätigkeitsbericht von Walter Eggestein birgt eine Menge interessanter Infos über damalige Unterrichtsmethoden.
Der Vorstand des kürzlich gegründeten Fördervereins fürs Museum (v. 1. n. r.): Kerstin Kroll, Martina Jeschke, Margarete jungblut, Hansjörg Albrecht und Günter Rieger. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Museum mehr ins Blickfeld der Neuruppiner zu rücken und gleichzeitig will man durch mehr Attraktivität auch mehr Touristen ins Haus holen. Fotos: Elstermann

21.02.2007, Wochenspiegel
Presse3Chronik2