Zum Bau des Schinkel-Denkmals

"... wäre Schinkel nie geboren, so gebräche es unserer immerhin eigenartigen künstlerischen Entwicklung an ihrem wesentlichsten Moment."
Bildname
(Th.  Fontane: Grafschaft Ruppin)

Am 10. März 1871 schrieb der Neuruppiner Drucker Petrenz an den Bürgermeister der Stadt, dass zur finanziellen Unterstützung der Errichtung eines Karl-Friedrich-Schinkel-Denkmals in seiner Vaterstadt der 1865 von Ferdinand von Quast in Neuruppin gehaltene Vortrag über Schinkel gedruckt vorliege. Dem voraus war im Frühherbst 1865 die Begründung eines "Schinkel-Comitees" in der Stadt gegangen, nachdem sich bereits am 13. März desselben Jahres, dem 84. Geburtstag Schinkels, eine ebensolche Institution beim Architekten-Verein in Berlin begründet hatte. Dem Neuruppiner Comitee gehörten u. a. der Bürgermeister v. Schultz, der Kaufmann Alexander Gentz, der Fabrikbesitzer Ebell und der ehemalige Gymnasialdirektor Dr. Starke an. Sie sahen ihre Aufgabe in der Schaffung des Denkmals als Würdigung des großen Sohnes der Stadt und riefen zur Unterstützung des Unternehmens auf.

Lange Zeit wurde das Denkmal öffentlich diskutiert. Während ein Herr Cantian aus Berlin 1866 anregte, das Denkmal ähnlich wie die von Schinkel entworfene Humboldt-Grabstätte in Tegel zu gestalten, sprach sich die "Kreuz-Zeitung" für die Errichtung eines Schinkel-Denkmals sowie eines Zieten-Denkmals vor dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium aus.

Doch die Umsetzung des Projekts ließ auf sich warten. Erst am 13. März 1881 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung auf dem Kirchplatz. Hier weihte Pastor Schinkel, ein Nachfahre der Familie aus Barsikow, den für die Ehrung vorgesehenen Platz ein.

In seiner Festrede betonte er: Schinkel "hat wenig über 60 Jahre gelebt, aber hat die Lebenszeit wie immer ausgekauft. Sein Einfluß und seine Einwirkung auf dem Gebiete seiner Kunst sind nicht mit ihm gestorben. Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.  "

Für die Verwirklichung des Planes war eine große öffentliche Geldsammlung veranstaltet worden, doch noch reichten die Mittel nicht. So bereitete die preußische Landeskunstkommission im Juni 1881 die Entscheidung zur Bewilligung von 8.000 .... für das Neuruppiner Schinkel-Denkmal aus dem Fonds für Kunstgewerke vor. Damit konnte der 35-jährige Berliner Bildhauer Max Wiese für die Ausführung des Denkmals unter Vertrag genommen werden. Wieses Mutter (Emilie Rühl) stammte aus Neuruppin, und er selbst hatte von 1856 bis 1864 das hiesige Gymnasium besucht. Das Schinkel-Denkmal wurde seine erste große Denkmalsarbeit. Es zeigt Schinkel in die Stadt schauend, in der rechten Hand eine Bauzeichnung haltend.

Der Tag der Enthüllung des Schinkel-Denkmals wurde auf den 28. Oktober 1883 festgesetzt und als bedeutendes Ereignis der Stadt Neuruppin vorbereitet. Für von auswärts Anreisende wurden Extra-Züge aus Richtung Berlin und Hamburg bis Paulinenaue eingesetzt, von wo seit 1879 eine direkte Kleinbahn-Verbindung nach Neuruppin bestand. Am Festtag begann die feierliche Zeremonie mittags um halb zwölf Uhr in Anwesenheit des Oberpräsidenten und des Ministers für geistliche, medizinische und Unterrichtsangelegenheiten des Landes Brandenburg sowie der Honoratioren der Stadt Neuruppin und des Kreises Ruppin.

Enthüllt wurde die Statue durch ihren Schöpfer.

Das Schinkel-Denkmal zog anlässlich der 700-Jahr-Feier der Stadt neben das von ihm entworfene, von seinem Künstlerkollegen Friedrich Tieck geschaffene Denkmal Friedrich Wilhelms II. von Preußen in die Mitte der Stadt um. Schon lange hatte es Klagen über den schlechten Zustand der Ummauerung gegeben. Bei der Rückkehr des Denkmals an seinen ursprünglichen Standort auf dem Kirchplatz wurde die schöne gemauerte Einfriedung mit den Schmuckelementen und Verweilbänken nicht wieder hergestellt. Ein nüchterner kleiner Zaun verwehrt Jahr für Jahr den Menschen zur traditionellen Schinkel-Ehrung der Stadt an dessen Geburtstag das Erklimmen des künstlich aufgeschütteten Hügels.

Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, dem Denkmal für den "bedeutendsten" Sohn unserer "Stadt und Grafschaft" (Theodor Fontane) seine ursprüngliche, zumindest aber mehr ehrende Gestalt zurück zu geben.

Irina Rockel

Mitteilungsblatt Nr. 3 - Januar 1993, Seite 10 - 12
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