Stand der Sanierungsarbeiten in der Pfarrkirche
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Will man den Chronisten Glauben schenken, so hat das Unheil der Bauschäden gleich nach der Fertigstellung des Hauses begonnen. Aus dem Jahre 1809 sollen bereits die ersten Rechnungen über Dachsanierungen in den Archivalien zu finden gewesen sein.

Nur gut, dass uns heute das Wissen über Baufehler der Altvorderen nicht darüber hinweg täuschen kann, dass wir es mit ernsthaften Problemen der Standsicherheit des gesamten Turmbaus zu tun haben.

Zunächst sind durch einen Holzgutachter die gravierenden Holzschäden in vollem Umfang aufgedeckt worden. Hier hat sich gezeigt, dass in der Konstruktion über der Ratsloge die größten Schäden aufgetreten sind. Umfangreiche Zerstörungen hat der echte Hausschwamm (serpula lacimans) in den Hauptträgem, die auf den Säulen gegenüber dem Altar ruhen, angerichtet. Ebenso stark ist die Bohlenkonstruktion über der Chororgel betroffen.

Die Schäden sind jeweils auf die undichte Dachhaut zurück zu führen bzw. die ungenügenden Möglichkeiten, die Kehlen zwischen Längsschiff und Turm abzudichten. Wie in den meisten Fällen zeichnet damit mangelnde Unterhaltung für die Bauschäden verantwortlich.

Ab Anfang November 1991 wurden die zerstörten Holzteile des Dachtragewerkes abgestützt. Hierzu war die Erstellung eines umfangreichen Traggerüstes notwendig gewesen, da die Kräfte aus dem Dachtragewerk umgelagert werden mussten.

Die Sicherungsmaßnahmen, immer wiederkehrende provisorische Abdichtungen der Dachhaut, haben neben der Schwamm-Sanierung den bisher größten Teil der Arbeiten ausgemacht. In der folgenden Zeit sind umfangreiche Schwammbehandlungsmaßnahmen gegen den echten Hausschwamm im Mauerwerk und in den gesunden - Resthölzern durchgeführt worden. Im Anschluss hieran konnten die Deckenbalken des zweiten Emporengeschosses im gesamten Längsschiff an ihren Auflagepunkten in den Außenwänden durch Stahlträger gesichert werden. Diese Arbeiten sind so weit abgeschlossen, dass das Längsschiff als standsicher bezeichnet werden kann.

Bei der Überarbeitung der tonnenförmigen Bohlenbinder im Dachraum müssen ohnehin innovative Wege gefunden werden, da hier die Fraßschäden der Holzbocklarve Querschnitts-Abminderungen hervorgerufen haben.

Die kompliziertesten Arbeiten werden zur Zeit begonnen. Hierbei sind Holzauswechselungen oberhalb des zweiten Emporen-Geschosses im Turm/Längsschiff zu bewältigen. Erst hiernach können stark geschädigte Deckenbalken des Turmgeschosses in Angriff genommen werden und auch der "Bienenkorb" mit seiner Brettbinder-Konstruktion.

Erfreuliche Neuigkeiten hat die Arbeit des Restaurators zu Tage gebracht. Unter dem schlichten weißen Anstrich der Emporenbrüstung sind farbliche Fassungen verborgen. Nach den ersten Freilegungen sind diese in zarten, dem Klassizismus entsprechenden Farbtönen gehalten und besitzen ornamentale Formen.

Hier wäre die Entfernung des weißen Anstrichs aus den 20er - oder 60er Jahren wünschenswert.

Alle technischen Probleme sind wohl eher eine Herausforderung für den Ingenieur, der an der Rekonstruktion dieses Bauwerks mitwirken darf.

Die andere Seite der Medaille ist die permanente Beschaffung der notwendigen finanziellen Mittel. An dieser Stelle daher nochmals Dank an alle bisherigen und zukünftigen Spender.

Allen Freunden und Kritikern des Objektes Pfarrkirche ein gutes Gelingen ihrer Vorhaben im Jahr 1993!

Siegfried Ismer

Mitteilungsblatt Nr. 3 - Januar 1993, Seite 13 + 14
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